Man schaue einmal zurück auf die Entwicklung der einzelnen Kulturen: wie MLB중계 sich da zerstreute kleinere Gebilde unter Kämpfen der Anziehung und Abstoßung schließlich zu Großgebilden zusammenzogen.

Erst hatten wir Flußkulturen: am Indus, Nil, Euphrat-Tigris, Jordan. Dann erweiterte sich der Ring zu Binnenmeerkulturen: Griechenland, Karthago, Diadochen-Reich, Rom. Dann kamen die großen ozeanischen Kulturen der Gegenwart.

So war Deutschland erst eine Vielheit von Kleinstaaten, ehe es sich zum Großstaat auswuchs. So waren Frankreich, Spanien, Italien zerfahrene Einzelgruppen, ehe sie sich in Monarchien zusammenfaßten. So bestand in jahrhundertelangen Kämpfen zwischen Schottland, England, Irland feindliche Wechselwirkung, bis ein Großbritannien Angelsachsen, Normannen und Kelten einheitlich umspannte. Das ist die Bedeutung der Kriege: es sind Mischungen, neue Gruppierungen.

Ähnlich steht es jetzt zwischen Deutschen und Franzosen: es handelt sich um die Vorherrschaft auf dem Festland. Wie in Britannien wird sie auch hier den triebkräftigen Germanen zufallen, ohne daß dadurch der Kulturwert der gallischen Rasse vernichtet zu werden braucht. Doch ich fürchte: Frankreich wird, wie die anderen Romanen, zu einer politischen Macht zweiten und dritten Ranges herabsinken, weil kein genialer Staatsmann beizeiten den Bazillus der Revanche-Idee aus dem französischen Nationalblut entfernt hat. Sie starrten unser Elsaß an, die Verblendeten, statt im Ganzen der Welt neuen Lebensspielraum zu suchen und mit[13] Deutschland Freundschaft. Die Russen aber: sie werden durch diesen Krieg aufgerüttelt und auf sich selbst zurückgeworfen, um dort endlich ihr eigenes, verwahrlostes Inneres zu kultivieren, wo es wahrlich genug zu bessern gibt – eine Aufgabe, zu der das Russentum bis jetzt von sich aus nicht fähig war, trotz aller Bomben verzweifelter Nihilisten.

Unser Ziel aber auf dem Festlande wird sein: unter Führung der Zentralmächte ein freies und friedliches

europäisches Großgebilde.

Das ist der äußere Bau. Er ist nicht unsre Sache; wir werden dies der künftigen Staatskunst überlassen.

Ob das Polnische Reich wieder erstehe; ob die baltischen Provinzen von Rußland frei werden; ob von Belfort bis Lüttich und an den Kanal das Reich sich nach Westen schirmen wird, wie ja schon einmal jene Bezirke zum Weltreich Karls V. gehörten: das ist Sache der Fachleute und der Kriegsentscheidung. Jetzt ist ja noch alles flutende Völkerwandrung.

Unsre Aufgabe in dieser Schrift ist innerlicher Art.

Deutschland ist geographisch Europas Mitte. Deutschland ist, nach Hölderlins schönem Wort, der Völker heilig Herz. Zentralmächte nennt man uns jetzt schon politisch; und so werden wir etwas wie Zentralkräfte in uns entwickeln müssen. Kräfte des »Zentrums«, der Innerlichkeit: Kräfte der Herzensgenialität oder des schöpferischen deutschen Gemütes.

Das ist es also, was ich eingangs dieser Betrachtungen meinte: dem deutschen Reichskörper muß eine deutsche Reichsseele geschmiedet werden.

Des Reiches Krone wurde geprägt in zwei raschen glücklichen Kriegen; die deutsche Seelenkrone ist jetzt zu schmieden im größeren Kampf gegen halb Europa, ja die halbe Welt. Nur Kampf und Not entfalten Seelenkraft. Wir wollen es nicht spielend gewinnen:[14] »Des Herzens Woge schäumte nicht so schön empor und würde Geist, wenn nicht der alte stumme Fels, das Schicksal, ihr entgegenstünde« (Hölderlin). Unsere seelischen Muskeln, wenn ich so sagen darf, sollen durch Widerstand geübt werden. Jeder Einzuweihende, in Eleusis oder wo es sei, mußte und muß durch Feuer und Wasser hindurch, um seines Geistes und Mutes Schulung und Stärke zu beweisen. Und so machen wir jetzt eine Einweihung durch. Wir dürfen, als eine der vielen Möglichkeiten der Betrachtung, diesen Krieg einschätzen als

Deutschlands Schulung.